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· 12:00

Cannabis in der Krebsbehandlung

Cannabis für medizinische Zwecke ?!

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Zeitschrift „Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz“ (herausgegeben unter anderem vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und dem Robert-Koch-Institut) beschäftigt sich in der Ausgabe Juli 2019 mit dem Thema „Cannabis für medizinische Zwecke“. Die Anwendungsgebiete für Cannabisprodukte sind in erster Linie Schmerz, auch neuropathische Schmerzen, Spastik bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Dabei seien die erzielten Behandlungseffekte aber oft nur gering (1, 2).
Mit diesen Indikationen werden Cannabispräparate auch in der Palliativmedizin eingesetzt, allerdings bislang mit nur geringer wissenschaftlicher Evidenz (1). Ein Therapieversuch mit Cannabis ist indiziert,  wenn Beschwerden wie Schmerzen, Appetitmangel und Übelkeit vorliegen, die sich mit den üblichen Therapiemaßnahmen nicht ausreichend lindern lassen. Cannabinoide sollten hierbei als Teil eines multimodalen Therapiekonzepts zum Einsatz kommen (1).
Eine Metaanalyse findet allerdings lediglich moderate wissenschaftliche Evidenz für den Einsatz von Cannabinoiden zur Therapie von chronischen Schmerzen und Muskelspasmen sowie geringe Evidenz zur Therapie von Übelkeit und Erbrechen infolge Chemotherapie, Gewichtszunahme bei HIV, Schlafproblemen und Tourette-Syndrom. (2)
Nebenwirkungen einer Therapie mit Cannabinoiden sind leider eher häufig zu erwarten und betreffen am ehesten die Vigilanz. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Psychosen, Panik, Tachykardie, Hypotonie, Mundtrockenheit (1).
Cannabinoide zeigen in Zellkulturen und im Tiermodell einen Einfluß auf das Wachstum von Brustkrebszellen, klinische Anwendungsdaten fehlen jedoch völlig (3).
Darüber hinaus finden sich in Zellkulturen bzw. im Laborversuch und im Tiermodell verschiedene gegen Krebswachstum gerichtete Effekte der Cannabinoide oder eine mögliche Wirkungsverstärkung von Chemotherapeutika auf Krebszellen. Allerdings fehlen klinische Untersuchungen an Patienten hierzu bislang völlig (4,5).
Der Einsatz von Cannabis zur Behandlung von Krebserkrankungen ist aufgrund des fehlenden Wirksamkeitsnachweises bislang nicht gerechtfertigt.


Weitere Informationen finden Sie unter: www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Hinweise_Patienten/_node.html;jsessionid=BF8146C7E0A6DC4A7AE46A63B97241ED.2_cid354

Literatur:
1.    Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz; Themenheft „Cannabis für medizinische Zwecke“, 7, 2019
2.    Whiting et al: Cannabinoids for Medical Use: a systematic review and meta-analysis JAMA 2015
3.    Kiskova et al: Future aspects for cannabinoids in breast cancer therapy; International journal of molecular sciences, April 2019
4.    Hinz B et al: Anti-tumour actions of cannabinoids; British journal of pharmacology 176; 2019
5.    McAllister et al: The antitumor activity of plant-derived non-psychoyctive cannabinoids; J Neuroimmune Pharmacol, Juni 2015

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre
Ihr Dr. Mathias Kleiß

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