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Ein Muss für jeden Arzt: die Budapest-Kriterien bei CRPS

Die Diagnose CRPS wird leider immer noch viel zu spät gestellt. Dabei müssen Ärzte nur die Budapest-Kriterien kennen

Autor: Dr. med. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin

Klagt ein Patient nach einer Operation oder einem Trauma über unklare und inadäquate Schmerzen, sollte auch immer an das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS), früher Morbus Sudeck, gedacht werden. Sind die Diagnosekriterien bekannt, kann auf Grundlage einer präzisen Differenzialdiagnostik rasch schmerztherapeutisch behandelt werden. Wird die Krankheit früh erkannt, ist die Prognose oft sehr gut. Die Klinik für Schmerzmedizin der DRK-Klinken Nordhessen ist auf die Diagnose und Therapie des CRPS spezialisiert und behandelt pro Jahr etwa 250 Patienten mit dieser Krankheit.

Frauen zwischen 40 und 70 Jahre

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom tritt bei 2-5% der Patienten auf, die sich an den Extremitäten verletzt haben. Betroffene klagen über lang anhaltende Schmerzen zumeist an Händen und Füßen und die damit verbundenen Bewegungs- und Funktionseinschränkungen. Der typische Patient ist weiblich und zwischen 40 und 70 Jahre alt. Um einen chronischen Verlauf und schwere funktionelle Einschränkungen auszuschließen, ist die richtige und schnelle Therapiewahl von großer Bedeutung. Oft diagnostizieren Physiotherapeuten ein CRPS früher als Hausärzte und Chirurgen.

Die Budapest-Kriterien

Diagnostisch sind die sogenannten modifizierten Budapest-Kriterien maßgebend. Neben dem übermäßigen und dauerhaften Schmerz ist auf Symptome wie Ödem, Allodynie, Asymmetrie der Hauttemperatur und Hautfarbe sowie einseitiges Schwitzen zu achten. Zudem müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden: beispielsweise ein Wundinfekt oder ein Gefäßverschluss. Die Diagnose wird aufgrund der typischen Anamnese und einer gründlichen neurologisch-orthopädisch-funktionellen Untersuchung gestellt.

Medikamentöse Therapie

Therapeutisch haben invasive Verfahren an Bedeutung verloren.  Bei der medikamentösen Therapie des Morbus Sudeck kommen Corticoide, Pregabalin, Bisphosphonate und manchmal auch Opiate in Betracht. Sie lindern die Schmerzen und unterstützen die Funktion der betroffenen Gliedmaßen. In schwierigen Situationen kommt intravenöses Ketamin zum Einsatz. Erfolgsversprechende Behandlungsansätze bilden auch Dimethylsulfoxid-Salbe, eine Ambroxol-Salbenmischung oder Retterspitz-Umschläge. Letztere bremsen die vegetative Entgleisung und reduzieren die Allodynie.

Multimodale Ansätze

Im Zentrum einer obligat interdisziplinären Therapie steht die Wiedererlangung der Funktionalität der betroffenen Extremität. In einem abgestuften Trainingsplan („explicit motor imagery“) erarbeiten Physio- und Ergotherapeuten Übungen mit steigendem Schweregrad. Die besten Erfolge erzielt die die Spiegeltherapie nach Ramachandran. Bei dieser Therapie wird mit Hilfe eines Spiegels das „Gehirn überlistet“, sie muß aber am Anfang sehr hochfrequent angewendet werden, was oft nur stationär im Rahmen einer Multimodalen Schmerztherapie möglich ist. Nach dieser Therapie müssen die Patienten die Übungsbehandlungen ambulant selbständig weiterführen und benötigen oft auch keine weiteren Verordnungen.

Eines der größten Schmerzzentren

Alle Ärzte sollten orientierend mit den Diagnosekriterien („modifizierte Budapest-Kriterien“) der CRPS vertraut sein. Für eine gute Prognose ist die rasche Diagnoseerstellung und Überweisung an einen Schmerztherapeuten essenziell. Die Klinik für Schmerzmedizin an den DRK-Kliniken Nordhessen gehört zu den bundesweit führenden Schmerzzentren. Auch im Namen unseres interdisziplinären Teams möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, dass Sie uns mit jedem an uns überwiesenen Patienten schenken.

Bildunterschrift: In der Klinik für Schmerzmedizin entwickelt ein fachübergreifendes Team maßgenscheiderte Therapiekonzepte

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