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· 12:00

"Einfach leben und sehen wie es läuft. Geht’s so nicht, dann eben anders."

Zum German Cancer Survivors Day 2018 am Donnerstag teilt die Bloggerin Sabine Kuhnt aus Kassel ihre Gedanken mit uns

Sabine Kuhnt kam, bedingt durch Contergan, mit körperlichen Einschränkungen auf die Welt und musste lernen, damit klar zu kommen. Zwischenzeitlich hat sie eine Brustkrebserkrankung überlebt, hat aber auch an den Folgen dieser Erkrankung (und der Therapie) zu leiden. Über ihre Erfahrungen mit dem Leben im allgemeinen und Krebs im speziellen schreibt sie im Blog „Doofkrebs“. 

"2018………….. unglaublich. Seit bald 5 Jahren lebe ich mit Krebs. Viele Dinge sind in diesen 5 Jahren passiert, mein Leben hat sich von einem auf den anderen Moment komplett geändert und in den vergangenen Jahren verändert. Nichts ist mehr wie es war, was aber nicht heißt, dass es schlechter ist. Es ist erstmal ein Schock, natürlich trifft es immer Andere und einen selbst nicht. Dazu kam in meinem Fall die beinah kindliche Überzeugung, du bist schon behindert, wenn dir noch was passieren würde, das wäre ungerecht. Das fand das Leben wohl lustig.

Ich denke, das Wichtigste ist, zu akzeptieren was passiert ist und sich seinen Ängsten zu stellen, die dich am Anfang von allen Seiten umzingeln. Es war eine sehr konfuse Zeit, Fragen über Fragen: werde ich bald sterben? oh Gott Chemotherapie, wie soll ich das schaffen? Lohnt es sich überhaupt? Und dann Körper umschalten auf Überleben, Augen zu und durch. Ich entschied mich, der Schulmedizin zu vertrauen und empfand die Chemo als meinen Freund, der versucht mich zu retten. Also herbei damit, dann OP, raus mit dem Rest aus meinem Körper, Bestrahlung, Antikörper, Antihormontherapie, alles was es so gibt. Ich war so beschäftigt, dass ich gar nicht viel zum Nachdenken kam. Es war und ist mir immer wichtig, dem Krebs die Aufmerksamkeit zu geben, die er benötigt aber habe und werde nicht zulassen, dass er mein Leben bestimmt. Ich habe die ganze Zeit gearbeitet, was natürlich nur möglich war durch absolute Unterstützung meines Arbeitgebers und meiner Kollegen und Freunde.

Rückblickend kann ich sagen, für mich die beste Entscheidung. Der Krebs hat mich geschwächt und mir mit all seinen Nachwirkungen und Kollateralschäden mehrere Wut- und Frustanfälle beschwert, Angst gemacht und schafft das heute auch noch, aber das muss man auch zulassen. Der Krebs hat mich verändert, ich verabschiede mich von Menschen, die mir nicht guttun, ich bin nicht mehr immer nett, ich bin empathischer geworden, ich genieße mehr, ich bin dankbarer, ich unternehme mehr, ich helfe Anderen mehr, ich glaube ich bin glücklicher, ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, ich habe keine Angst vorm Sterben, ich fände es nur völlig schade, ich lebe so gerne, es ist nichts mehr selbstverständlich. Ich verschiebe nicht mehr, ich lebe jetzt. Das Einzige was mir wirklich fehlt ist das Gefühl des grenzenlosen Vertrauens in mich und meinen Körper, ich bin doch unkaputtbar.

Ich hab mich nie gefragt, warum ich?, warum ich nicht? Wer sonst für mich? Es ist ganz wichtig, mit sich im Reinen zu sein. Es ist nicht schlimm Angst zu haben und manchmal vor jeder Nachsorge Durchfall zu kriegen, es ist normal und ich kann es auch zugeben.

Der Alltag wird für mich immer anstrengender und mühsamer durch die Medikamente und meine Behinderung, aber um Nichts in der Welt würde ich mein Leben tauschen. Ich behalte meine Behinderung, meinen Krebs und all die Dinge, denn das bin ich.

Einfach leben und sehen wie es läuft. Geht’s so nicht, dann eben anders. Der Krebs kann in diesem Moment schon wieder da sein oder morgen oder in 3 Wochen, Jahren. Die Angst ist da, aber wir haben uns angefreundet. Morgen ist morgen, ich lebe jetzt."

BITTE NICHT VERGESSEN: Am Donnerstag, den 7. Juni 2018 findet bei uns die Veranstaltung "Krebs & Beruf" statt.

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