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· 17:20

Experteninterview zum Thema Dickdarmkrebs

Fragen an Dr. med. Mathias Kleiß, Chefarzt der Klinik für Interdisziplinäre Onkologie, Pneumologie, zu einer der häufigsten Krebsarten

Muss im Anschluss an eine Dickdarmkrebsoperation immer eine Chemotherapie durchgeführt werden?

Wird der Dickdarmkrebs in einem frühen Stadium entdeckt und kann operativ komplett entfernt werden, ist eine Chemotherapie nicht notwendig.

Bei fortgeschrittenen Dickdarmkrebs-erkrankungen kann es allerdings sein, dass die Krebsgeschwulst bereits in tiefere Schichten der Darmwand eingewachsen ist. Dort findet die Geschwulst Anschluss an Blut- und Lymphgefäße. Der Krebs kann sich dadurch über das Blut- oder Lymphsystem weiter im Körper ausbreiten.

Tritt dieser Fall ein, wird im Anschluss an die Operation und einer kurzen Erholungsphase eine ergänzende Chemotherapie empfohlen. Diese erhöht die Wahrscheinlichkeit, von der Darmkrebserkrankung geheilt zu werden und verringert das Risiko eines Krebsrezidivs.

Wie sieht eine solche Chemotherapie aus? Wie lange dauert sie, und mit welchen Nebenwirkungen muss gegebenenfalls gerechnet werden?

Die Chemotherapie erhalten unsere Patienten in Form von Infusionen. Tabletten können die Infusions-Chemotherapie in einigen Fällen ganz oder teilweise ersetzen. Die Chemotherapie, die im Anschluss an eine Dickdarmkrebsoperation gegeben wird, dauert etwa ein halbes Jahr. Grundsätzlich ist dafür kein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig.

Mögliche Nebenwirkungen sind abhängig von den eingesetzten Substanzen. Übelkeit und Erbrechen stellen angesichts der sehr effektiven vorbeugend gegebenen Medikamente kein Problem mehr dar. Manchmal kann es zu Durchfall oder Hautausschlag kommen. Andere Substanzen können eine Nervenschädigung mit Gefühlsstörungen verursachen, welche sich zumeist nach der Therapie wieder zurückbilden.

Alle unsere Patienten werden vor der Einleitung einer individuell abgestimmten Chemotherapie ausführlich aufgeklärt und während der Therapie gründlich überwacht, sodass auf eventuell auftretende Nebenwirkungen frühzeitig reagiert werden kann. 

Wie unterscheidet sich die Behandlung des Mastdarmkrebses von den Krebserkrankungen des übrigen Dickdarmes?

Abgesehen von der besonderen Operationstechnik ist es so, dass bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen des Mastdarmes eine zusätzliche Strahlen-Chemotherapie sinnvoll ist. Diese wird stets vor der Operation durchgeführt und verringert das Risiko eines Krebsrezidives, also eines Rückfalls der Krebserkrankung.

In einigen Fällen sitzt der Mastdarmkrebs sehr nahe am After. Muss der After bei der Operation des Mastdarmkrebses mit entfernt werden, ist dauerhaft ein künstlicher Darmausgang nicht zu umgehen. Eine vorbereitende Strahlen-Chemotherapie kann zu einer Verkleinerung des Krebses führen und so eine Kontinenz erhaltende Operation ermöglichen.

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