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Fehlende Kaufähigkeit kann Demenz begünstigen: DRK-Klinik Nordhessen behandelt zu flache Kiefer mit neuartiger Methode 

Kassel (15.01.2020). In Deutschland leben etwa 10 Millionen zahnlose Menschen. Und das fehlende Kauwerkzeug hat deutlich gravierendere Folgen als „nur“ die zwangsläufigen Schwierigkeiten beim Essen: Wenn Zähne ausfallen, schwindet in Folge sukzessive der Kieferknochen. Zunächst hält die Zahnprothese noch einige Zeit, aber wenn man den Knochenschwund einige Jahre nicht beachtet, rutscht die Zahnprothese hin und her und auch für Zahnimplantate ist es dann häufig zu spät. Für die Betroffenen ist das ein Zustand mit gravierenden Folgen. Eine davon: Begünstigung von Demenz.

 

Prof. Dr. Dr. Hendrik Terhyeden, Chef der DRK-Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 144 Patienten mit einem zu flachen Unterkiefer behandelt. Aus seiner Klinik stammt die neue Methode des Kieferaufbaus, die so genannte Sandwich Osteotomie. Als Osteotomie bezeichnen Ärzte die operative Durchtrennung von einem oder mehreren Knochen. Für die Methode des Kieferaufbaus wird der Unterkiefer horizontal durchtrennt, um dann in den Spalt wie bei einem Sandwich ein Knochenaufbaumaterial einzulagern. Dadurch wird der Kiefer um ein bis 2 cm höher, je nach Bedarf. Diese Methode ist deutlich schonender und sicherer als die früher praktizierte Auflagerung von Knochenstücken aus dem Beckenknochen oder aus Knochenbanken. 

Der Eingriff geschieht unter Teil- oder Vollnarkose, aber nach wenigen Tagen sind die Patienten wieder in der Lage, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Zusätzlich ist es sinnvoll, den aufgebauten Knochen zumindest durch zwei Zahnimplantate zu ergänzen, weil er dann langfristig erhalten bleibt.  

„Zahnlose Patienten werden statistisch gesehen häufiger und schneller dement als andere Menschen“, erklärt Prof. Terheyden. „Warum das so ist, ist noch nicht klar, es kann sich um einen indirekten Zusammenhang handeln, zum Beispiel weil Zahnlose nicht mehr in Gesellschaft essen können und daher weniger sozialen Austausch haben.“ Der natürliche Kieferabbau nach dem Zahnverlust im Unterkiefer ist variabel und liegt zwischen 0,5 mm 2 mm pro Jahr. Es ist ein schleichender Prozess, der ganz langsam unbemerkt das Essverhalten verändert. „Statt Rohkost nehmen die betroffenen Menschen immer mehr weiche und kohlenhydratlastige Nahrung wie zum Beispiel Milchsuppe zu sich, was auch Diabetes begünstigen kann“, so der deutschlandweit renommierte Kieferchirurg. Fest steht jedoch: „Patienten sollten das Problem rechtzeitig angehen, solange sie noch fit genug ist.“ Prof. Terheyden kontrolliert die mit der Sandwich Osteotomie behandelten Patienten in regelmäßigen Abständen. „Die Nachhaltigkeit unserer Methode gibt uns Recht“, resümiert der 56-Jährige.

 

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